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Stolpersteine Familie Wolff

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Stiftungsland Schäferhaus / Jägerweg
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Gut Jägerslust

Das Gut Jägerslust war im Besitz der Familie Wolff, die zur dänischen Minderheit gehörte und teilweise jüdischen Glaubens war. Wolffs hatten das Gut als land- und hauswirtschaftliche Ausbildungsstätte für die Vorbereitung junger Juden auf Palästina zur Verfügung gestellt.

Durch den Polizeipräsidenten Heinrich Möller fand am 10. November 1938 gegen 3 Uhr morgens ein Überfall auf das Gut Jägerslust und seine wehrlosen Bewohner und Gäste statt. Kräfte der Schutzpolizei, der SS und vermutlich der Gestapo verwüsteten das Gut, verhafteten die Bewohner und ihre Gäste.

Geschichte zu den Bewohnern des Gutes

Katharina Wolff, geborene Jacoby, am 11.02.1868 in Berlin.
Katharina leitete nach dem Tod ihres Mannes Nathan Wolff 1917 das Gut gemeinsam mit ihrem Sohn Alexander Wolff. Sie war ehrenamtlich im verbandspolitischen Gebiet tätig und gehörte zum Vorstand des Flensburger Hausfrauenbundes. Dort engagierte sie sich hauptsächlich für die von dem Bund betriebene Rentnerküche. Nach dem Überfall auf ihr Gut kam Katharina kurz in einer dänischen Begegnungsstätte unter und fand danach eine Wohnung in der Norderstraße. 1939 zog sie mit ihrer Schwiegertochter Irma nach Berlin. Dort wurde Katharina am 14. August 1942 mit inzwischen 74 Jahren in das Zwangsghetto Theresienstadt verschleppt. Umgebracht wurde sie im Ghetto von Minsk, Weißrussland.

Irma Wolff, geborene Altmann, am 27.04.1891 in Dramburg
Irma wurde in Berlin mit dem 27. Transport vom 29. Januar 1943 nach Ausschwitz deportiert. Dort wurde sie vermutlich nach Ankunft in die Gaskammer geschickt. Offiziell gilt sie als verschollen.

Alexander Wolff, geboren am 28.03.1891 in Berlin
Alexander Wolff war seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Freiwilliger im Schleswiger Husarenregiment tätig. Er wollte zunächst Ingenieur werden, doch das zerschlug sich durch den Tod seines Vaters. Er entschied sich zusammen mit seiner Mutter, das Gut zu leiten. Auch er war wie seine Mutter ehrenamtlich auf verbandspolitischem Gebiet tätig. Er engagierte sich unter anderem im Landwirtschaftlichen Verein für den Stadtkreis Flensburg und der Milchlieferungs-Genossenschaft für Handewitt und Umgebung. Alexander Wolff konnte sich nach dem Überfall auf das Gut am 10. November 1938 schwer verwundet über die Grenze nach Dänemark retten. Ende 1939 gelangte er von dort über Schweden in die USA. Er starb am 2. Juni 1984 in Bogota/New Jersey

Susanne Wolff, geboren am 08.05.1893 in Berlin
Susanne machte eine Ausbildung an der Auguste-Viktoria-Schule zur Lehrerin. Ihre erste Stelle hatte sie an der Sankt Johannis-Knabenvolksschule. Danach war sie von 1921 bis zu ihrem Tod am 29.Juli 1931 an der Städtischen Knabenmittelschule tätig.

Lilly Wolff, geboren am 16.06.1896 in Niederschöneweide bei Berlin
Lilly machte wie ihre Schwester Susanne zuvor, ebenfalls eine Ausbildung an der Auguste-Viktoria-Schule zur Lehrerin. Sie unterrichtete seit 1919 erst an der Höheren Mädchenschule und dann in der Mädchen-Bürgerschule in Heide. Sie war zum evangelischen Glauben übergetreten, was sie nicht vor der nationalsozialistischen Verfolgung schützte. Sie wurde als Nichtarierin aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums ohne Anspruch auf Ruhegeld aus dem Schuldienst entlassen. Erst konnte sie sich noch durch Nachhilfestunden über Wasser halten, doch auch dies wurde ihr untersagt. Sie zog nach Berlin, wo sie als Lehrerin arbeitete. Am 29.Januar 1943 wurde sie nach Riga deportiert. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt; sie gilt als verschollen.

Das Areal gehört heute zum Stiftungsland Schäferhaus. Es sind neben den verlegten Stolpersteinen auch noch 4 Infotafeln zu sehen.



Quellen:
Juden in Flensburg, Bettina Goldberg unter Mitarbeit von Bernd Philipsen; Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte; Band 62; S. 97 f.
Ausgebürgert, Ausgegrenzt, Ausgesondert; Jüdische Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes; Bernd Philipsen, in Flensburger Beiträge zur Zeitgeschichte 3, Hg. Stadtarchiv Flensburg u.a., Flensburg 1998, hier S. 250 f.

Kategorien: Sehenswürdigkeiten

 

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