Die medizinische Bezeichnung für ein künstliches Hüftgelenk ist eine „Endoprothese“. 1989 wurden in Deutschland 65 000 Hüftprothesen-Operationen durchgeführt, im Jahr 2001 waren es bereits 170 000, mit steigender Tendenz.
Die Ursache für eine solche Operation ist eine Arthrose, eine Verschleißerkrankung des Hüftgelenks (auch bei anderen Gelenken). Bei Arthrose verschleißt die Knorpelmasse des Gelenks. Was viele nicht wissen: In unseren Knochen befinden sich Nerven. Ist die Knorpelmasse verschlissen, reiben die blanken Knochen der Gelenke aufeinander. Die Nerven signalisieren Schmerzen, die irgendwann unerträglich werden. Der Zeitpunkt für eine Operation ist gekommen.
Vor der Entwicklung künstlicher Gelenke waren die betroffenen Personen an Bett oder Rollstuhl gefesselt.
Wenn ältere Menschen zusammenkommen, wird mit Sicherheit über Krankheiten und Wehwehchen geredet. Ist dann jemand dabei, der eine Endoprothese hat, wird nach den Symptomen vor der Operation gefragt. Viele der Frager haben dann diese Symptome auch und sind der Meinung, eine kaputte Hüfte zu haben. Eindeutig ist dieses nur durch eine Röntgenuntersuchung feststellbar.
Vor einer Operation wird in einer Fachklinik entschieden, ob eine zementfreie oder Zement – Endoprothese eingebaut wird.
Eine zementfreie Endoprothese bekommen Patienten bis zu einem Alter von ca. 55 bis höchstens 60 Jahren, da deren Knochensubstanz fester und dichter als bei noch älteren ist. Andernfalls wird eine Endoprothese einzementiert. Der Vorteil ist, der Patient kann drei bis fünf Wochen nach der OP das Gelenk voll belasten.
Das Gelenk könnte bereits wenige Stunden nach der OP voll belastet werden, es ist aber durch die Operationswunde nicht möglich, da diese erst verheilen muss.
Bei zementfreien Endoprothesen muss der Prothesenschaft langsam mit dem Oberschenkelknochen verwachsen. Das dauert fünf bis sechs Monate.
Nach der Entlassung aus der Klinik ist eine Reha-Maßnahme unerlässlich. Sie besteht aus Bewegungsübungen im Wasserbad, sowie Boden- und Gerätegymnastik.
Die Reha-Behandlung beginnt bereits in der Klinik, ca. eine Woche nach der OP. Es ist zweckmäßig, sich schon während des Klinikaufenthaltes darum zu kümmern.
Nach der OP muss jeder Patient viele Einschränkungen im künftigen Leben hinnehmen: Er darf nur Lasten bis ca. 15 kg Gewicht heben und tragen, das Bein darf nur eingeschränkt nach beiden Seiten geschwenkt werden. Arbeiten in der Hocke sollte vermieden werden. Bei Übertreiben von vorgenannten Betätigungen und Bewegungen besteht die Gefahr, dass das Gelenk auskugeln kann. Das ist sehr schmerzhaft und wird dann vermutlich immer wieder passieren.
Beim Gehen sollten möglichst lange und schnelle Schritte gemacht werden. Bei kurzen und langsamen Schritten lastet das Körpergewicht öfter und länger auf der Endoprothese.
Aus meiner Sicht und eigener Erfahrung werden Patienten über Probleme und Risiken nicht genügend aufgeklärt.
In der Pause einer Gruppengymnastik sprach ich über ungenügende Aufklärung vor und nach der OP mit einem Teilnehmer, der zu mir sagte: „Wir wissen es nicht besser“. „Wer ist wir?“ fragte ich. Er sagte, er sei Allgemeinmediziner, habe vor fünf Wochen eine Endoprothese bekommen und vorher nur sehr wenig darüber gewusst. Allgemeinmediziner sollten in punkto Endoprothesen mehr und umfangreicher geschult werden, um besser informieren zu können.
Wie lange hält nun so eine Endoprothese?
Heute bestehen Pfanne und Schaft aus Titan, einem sehr zähen und sehr viel leichteren Material als der früher verwendete Nirosta Edelstahl. Die Gleitflächen sind mit Keramik beschichtet, um eine gute Gleitfähigkeit und einen sehr geringen Verschleiß zu gewährleisten.
Eine solche Prothese würde vermutlich vierzig oder fünfzig Jahre halten. Trotzdem müssen Endoprothesen häufig nach zehn bis fünfzehn Jahren erneuert werden. Der Grund ist nicht Materialverschleiß. Weil die Knochen des Menschen mit zunehmendem Alter weicher und porös werden, lockert sich der Zement, mit dem der Prothesenschaft im Oberschenkelknochen einzementiert ist. Der Schaft wackelt und muss erneuert werden.
